Speed (Amphetamin) und Führerschein passen rechtlich nicht zusammen: Schon der Konsum begründet nach Anlage 4 FeV die Nichteignung, eine MPU ist die Regel. Wer die Fahrerlaubnis zurück will, braucht in der Praxis meist 12 Monate belegte Abstinenz und ein tragfähiges Veränderungskonzept.
Speed (Amphetamin): Was bedeutet das für Führerschein und MPU?
Kernaussage der Rechtslage
Bei sogenannten „harten Drogen“ wie Amphetamin (Speed) unterstellt Anlage 4 Nr. 9.1 FeV die Nichteignung zum Führen von Kraftfahrzeugen – unabhängig davon, ob unter Wirkung gefahren wurde. Das ist der zentrale Unterschied zu Cannabis: Dort kann gelegentlicher Konsum ohne Fahren unter Wirkung ausnahmsweise vereinbar sein; bei Speed nicht. Die Führerscheinstelle prüft nach § 11 FeV die Eignung, ordnet nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 FeV regelmäßig ein Gutachten (ärztlich/MPU) an und kann die Fahrerlaubnis entziehen.
Ordnungswidrigkeit vs. Straftat
- § 24a StVG: Fahren unter der Wirkung von Amphetamin ist eine Ordnungswidrigkeit (Bußgeld, Fahrverbot, Punkte). Ein festgestellter Blutwert genügt; ein fester „Grenzwert“ wie bei THC (seit 22.08.2024: 3,5 ng/ml) existiert für Amphetamin nicht.
- § 316 StGB: Bei Ausfallerscheinungen oder Gefährdung wird es strafrechtlich relevant (Geld-/Freiheitsstrafe) und es droht die Entziehung der Fahrerlaubnis nach § 69 StGB.
Konsequenzen im Überblick
| Konstellation | Führerschein-Folge | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Konsum von Speed ohne Fahrt | Regelmäßig Nichteignung, MPU/Gutachten | Anlage 4 Nr. 9.1 FeV, § 14 FeV |
| Fahrt unter Wirkung von Speed | Bußgeld, Fahrverbot, Punkte; Eignungszweifel/MPU | § 24a StVG, § 14 FeV |
| Fahrt mit Ausfallerscheinungen | Strafverfahren, Entziehung, Sperre | § 316, § 69 StGB, § 3 StVG |
Weiterführend: § 14 FeV einfach erklärt, MPU-Ablauf Schritt für Schritt, Ärztliches Gutachten: Wann statt MPU?.
Wann ordnet die Führerscheinstelle eine MPU nach Speed an?
Typische Auslöser
- Polizeikontrolle mit positivem Urinvortest/Blutbefund auf Amphetamin.
- Ermittlungsverfahren wegen Besitzes/Handels; Aussage oder Aktenlage bestätigt Konsum.
- Eigenoffenbarung gegenüber Ärztinnen/Ärzten oder der Führerscheinstelle.
Nach § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 FeV darf die Behörde bei Tatsachen, die die Einnahme von Betäubungsmitteln (außer Cannabis) begründen, ein Gutachten verlangen. Ergibt sich daraus fehlende Eignung (Anlage 4), kann sie die Fahrerlaubnis nach § 3 StVG i. V. m. § 46 FeV entziehen. Für die Neuerteilung wird in der Praxis fast immer eine MPU verlangt.
Ärztliches Gutachten oder MPU?
- Erstabklärung: Häufig beginnt es mit einem ärztlichen Gutachten (Stoffgruppe, Konsumform, Abstinenzfähigkeit).
- MPU: Bei bestätigtem Speed-Konsum folgt regelmäßig die MPU mit medizinischem Teil, Leistungstest und psychologischem Gespräch.
Fristen und Strategie
- Kein „Warten und Vergessen“: Ohne aktive Nachweise bleibt die Nichteignung bestehen. Abstinenz sollte sofort, kontrolliert und gerichtsfest begonnen werden.
- Realistische Planungsdauer: 12 Monate Abstinenz + 1–3 Monate Terminputz bei der Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF).
Häufige Irrtümer
- „Ich bin nicht gefahren, also keine MPU.“ – Falsch bei Speed: Schon der Konsum begründet Nichteignung (Anlage 4 Nr. 9.1 FeV).
- „Sechs Monate reichen immer.“ – Bei harten Drogen verlangen BfF überwiegend 12 Monate.
Mehr zum Ablauf: So läuft die MPU ab. Zur Vorbereitung: Psychologisches MPU-Gespräch vorbereiten. Kostenüberblick: MPU-Kosten.

Abstinenznachweise bei Amphetamin: Dauer, Methoden, Fallstricke
Welche Dauer gilt?
In der Begutachtungspraxis sind bei Amphetamin 12 Monate belegte Abstinenz der Standard. Manche BfF akzeptieren in engen Ausnahmefällen 6 Monate (frühe, glaubhaft geänderte Ersttäter ohne Risikofaktoren). Wer Planungssicherheit will, wählt 12 Monate. Grundlage sind die Begutachtungsleitlinien (BASt) und Anlage 4 FeV, die bei „harten Drogen“ stabile Abstinenz fordern.
Methoden und Anforderungen
| Nachweisart | Übliche Dauer | Frequenz/Abdeckung | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Urinscreening (unvorhersehbar) | 6–12 Monate | 4 Proben/6 Mon.; 6–8 Proben/12 Mon. | Kurzfristige Ladungen; Kreatinin-/Temperaturkontrolle; akkreditiertes Labor (DIN EN ISO/IEC 17025) |
| Haaranalyse | 3–12 Monate | 1 cm ≈ 1 Monat, segmentiert | Keine Blondierung/bleichende Färbung; ausreichende Haarlänge; dokumentierte Kette |
Typische Fallstricke
- „Selbsttests“ ohne forensische Qualität werden nicht anerkannt.
- Pausen oder Lücken im Programm schwächen die Aussagekraft.
- Kosmetische Behandlungen können Haarproben unbrauchbar machen.
Vertiefung: Abstinenz und Drogen – was akzeptiert wird, § 14 FeV: Gutachtenanordnung.
Inhalt der MPU bei Speed: Fragen, Stolperfallen, was zählt
Was will die Psychologin/der Psychologe hören?
Im psychologischen Gespräch geht es nicht um Moral, sondern um Rückfallrisiko. Bewertet werden Konsummuster (Beginn, Häufigkeit, Zweck), Auslöser (Stress, Umfeld), Kontrollverlust, Konsequenzen und vor allem: Welche stabilen Veränderungen senken Ihr Risiko künftig deutlich? Dazu gehören Abstinenzmotivation, Rückfallprophylaxe und soziale Einbindung.
Häufige Fragen – und worauf es ankommt
| Typische Fragen | Worauf geachtet wird |
|---|---|
| „Wie, wann und warum haben Sie Speed konsumiert?“ | Vollständigkeit, Plausibilität, keine Beschönigung |
| „Was war der Auslöser für die Wende?“ | Einsicht in Risiken, persönliche Relevanz, nicht nur „Führerschein zurück“ |
| „Welche Hochrisikosituationen erkennen Sie und wie handeln Sie?“ | Konkrete Strategien, Alternativen, Notfallplan |
| „Wer kontrolliert/unterstützt Sie?“ | Reale Schutzfaktoren: Umfeld, Therapie, Selbsthilfe |
Typische Fehler in der Praxis
- Verharmlosen („nur mal am Wochenende“), Schuldexternalisierung („falsche Freunde“), fehlende Eigenverantwortung.
- Nachweise erst kurz vor der MPU beginnen.
- Nicht behandelter Mischkonsum (z. B. Speed + Alkohol). Für Mischkonsum gelten verschärfte Erwartungen (§ 14 FeV, Anlage 4 FeV).
Konkreter Fahrplan zur Vorbereitung
- Konsumgeschichte schriftlich strukturieren (Zeitleiste, Wendepunkte, Rückfälle).
- Rückfallprophylaxe mit 3–5 persönlichen Maßnahmen festlegen (z. B. Trigger meiden, neue Freizeitstruktur, Kontaktabbruch zu Konsumpersonen, Therapie/Suchtberatung, Notfallkontakte).
- Nachweise sauber führen (Verträge, Termine, Laborberichte).
- Probe-Interview und Leistungstest trainieren.
Weiterlesen: Vorbereitung auf das MPU-Gespräch, MPU bei Alkohol vs. Drogen – Unterschiede.
So läuft die Begutachtung ab – Medizin, Psychologie, Leistungstest
Medizinischer Teil
Anamnese, Sichtung der Abstinenznachweise, ggf. Blut/Urinkontrolle am Tag X. Wichtig sind stimmige Angaben zu Konsum, letzter Einnahme und Veränderungen. Diskrepanzen zwischen Erzählung und Nachweisen führen schnell zu Zweifeln (§ 11 FeV).
Leistungsdiagnostik
Reaktions- und Aufmerksamkeitsmessungen prüfen Fahrsicherheit. Mangelhafte Ergebnisse sind nicht automatisch ein K.-o.-Kriterium, können aber in der Gesamtschau negativ wirken. Üben vorab hilft (legal, ohne „Tricks“).
Psychologisches Gespräch
Dauer ca. 45–60 Minuten. Bewertet wird, ob die Risiken künftig ausreichend kontrolliert werden. Stabil belegte Abstinenz, tragfähige Lebensstiländerungen und kritische Aufarbeitung sind die drei Säulen.
Bewertung und Gutachtenformel
Das Ergebnis wird nach dem Prinzip der „hinreichenden Wahrscheinlichkeit“ beurteilt: Ist zu erwarten, dass Sie künftig trennen bzw. abstinent bleiben? Bei Amphetamin lautet die Zielaussage praktisch immer: „Abstinenz ist stabil zu erwarten“ (Anlage 4 FeV).
Zeit und Organisation
- Terminkalender realistisch planen (Einladung der BfF, Fristen der Führerscheinstelle, evtl. Sperrfrist aus Strafverfahren).
- Unterlagen sortiert mitbringen: Ausweis, Führungszeugnis-Auszug falls gefordert, Verträge/Nachweise, ggf. Therapieberichte.
Weitere Orientierung: MPU-Ablauf kompakt, Kosten der MPU im Überblick.
Häufige Fragen
- FeV (inkl. Anlage 4) – Fahrerlaubnis-Verordnung
- § 24a StVG – Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr
- §§ 316, 69 StGB – Trunkenheit im Verkehr; Entziehung der Fahrerlaubnis
- KCanG – Konsumcannabisgesetz (Vergleichswerte THC)
- BASt – Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung
- KBA – Statistiken und Berichte zur Fahrerlaubnis
- BVerwG – Entscheidungen zum Fahrerlaubnisrecht
Weiterführende Leitfäden
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